Katrin Hosterbach hat sich als Künstlerin seit langem auf das Terrain des Nicht-Abbildenden, der gegenstandslosen Malerei begeben. Sie beschäftigt sich mit Schichtungen von Farbe, mit Tiefe und Intensität von Farbräumen. Ihre Inspirationsquelle ist nicht selten ein musikalisches Erlebnis, in den letzten Jahren auch literarische Erfahrungen.
Einen großen Werkblock, beispielsweise, bilden ihre Arbeiten, die intensiv um das Buch der Schriftstellerin Herta Müller „Atemschaukel“ kreisen. In diesem Buch zeichnet die Autorin die Deportation eines jungen Rumäniendeutschen in ein russisches Arbeitslager nach. Besonders eindrücklich werden darin die verschiedenen Ausformungen, Farben und Beschaffenheiten der Schlacke, einem Abfallprodukt im Arbeitsprozess, beschrieben – bis hin zu den Gefühlen, die sie beim Ich-Erzähler hervorrufen. Diese Eindrücke hat Katrin Hosterbach zum Anlass für ihre Bilder genommen. Es sind keine Abbildungen des Geschriebenen, sondern übereinandergeschichtetes Empfinden als Summe endloser Farbschichtungen.

Wir erleben scheinbar abweisende Schwarztöne, dramatisches, glühendes Rot – als sei die Schlacke noch nicht erkaltet – und geradezu zärtliche Mischungen diverser Grün- und Brauntöne, die eine schimmernde Oberfläche offenbaren. Ambivalent sind die Empfindungen beim Bild-Erleben, ähnlich denen des Erzählers beim Anblick der Schlackehalden.
Wir können uns als Betrachter in diese Bildräume versenken, die mehr sind als bloße Illustration des beschreibenden Wortes und mehr als die Geste des Pinsels auf der Leinwand.
Wie in der bildnerischen Interpretation von Musik geht es der Künstlerin auch in anderen Werkblöcken um das Abbilden von Erlebtem, um Sichtbarmachung von Gefühlen.
Katrin Hosterbach gelingen (beispielsweise in den sogenannten „Sorgenbildern“) sehr subtile, abstrakte Kompositionen – mal sehr zart und „durchsichtig“, mal schwer und undurchdringlich.
Es ist diese Vielschichtigkeit, die ihre Arbeiten besonders und unverwechselbar macht und ihnen ihre Kraft verleiht. Und das ist im besten Sinne Malerei, in der die Bilder mehr ausdrücken, als auf der Bildoberfläche zu sehen ist.

Andreas Amrhein zum Studienabschluss 2014, Akademie für Malerei Berlin


  Katrin Hosterbach arbeitet abstrakt und meidet bewusst das Gegenständliche. Wenn eine Welle als Welle erkennbar ist, wird das Papier schon einmal so lange übermalt und bearbeitet, bis die Welle keine Welle mehr ist, aber eine Welle sein könnte. Die Überarbeitung dient der Charakterisierung, auch wenn dabei eine diffuse Bildwirkung erzielt wird. Dies ist durchaus gewollt und lässt Raum für Betrachtung und Verständnis des Werkes.
Der Zufall ist für die Künstlerin ein gern in Anspruch genommener Effekt, vor allem bei der Aquarellmalerei und unterstützt hier die luftige und zarte Darstellungsweise. In ihren Arbeiten treffen farbdezente und farbkräftige Flächen aufeinander.
Vielleicht ist das Impasto-Gel, das sie verwendet, die Ursache dafür, dass vereinzelt Nebel- oder Windströme durch die Bilder zu wehen scheinen. Mit Schwung wabern die Farbströme über das Papier oder die Leinwand. Dabei werden vielerlei Assoziationsketten freigesetzt. Der so gefärbte Wind könnte auch ein durch die Sonne beschienener Wasserstrahl sein mit vielerlei Lichtreflexen, eine farbige Stoffbahn oder gar gemalte Töne eines Musikstückes.

Gerne lässt sich die Künstlerin von Musik inspirieren. Sie hört nicht nur Musik während sie grundiert und malt, sondern sie singt auch in einem Chor. Die Auseinandersetzung mit einem „Chorstück“ kann Inspiration für eine malerische Umsetzung sein. So hat Katrin Hosterbach schon Bruckner oder die Johannespassion von Bach im Bild umgesetzt. Damit steht sie auch in der Tradition eines Künstlers wie Kandinsky, in dessen Werk der Einfluss der Musik deutlich ablesbar ist. Nicht zuletzt war auch er ein abstrakter Maler.

Annette Pfnorr, Kunsthistorikerin, anlässlich der Ausstellungseröffnung "Dick und Dünn" in der Galerie ROOT